Seit Anfang Dezember ist unglaublich viel passiert. Zu allererst habe ich meine Familie gewechselt. Allerdings weiß ich nicht, wie viel ich hier darüber schreiben kann. Ich habe lange darüber nachgedacht, ob es angemessen ist zu Wechseln, ob meine Gründe schwerwiegend genug sind und ob es überhaupt gerechtfertigt ist.
Auf der einen Seite habe ich mich für so ein Jahr entschieden und muss eben mit anderen Gewohnheiten und Bedingungen zurechtkommen, auf der anderen Seite haben mir die Ratten in der Küche, im Nebenzimmer, in meinem Kleiderschrank (und die eher nicht verständnisvolle Reaktion meiner Gastfamilie) den Rest gegeben. Allein an meine Gesundheit denkend, wollte ich so nicht ein ganzes Jahr weiterleben.
Nach anderthalb Wochen Notunterkunft (als mir an dem besagten Abend eine Ratte aus meinem Schrank entgegen sprang, habe ich am nächsten Morgen das Nötigste gepackt und bin erstmal bei Lisa eingezogen), fand sich auch endlich eine neue Gastfamilie für mich.
Diese besteht offiziell aus einer Gastmutter, Gastvater, Gastschwester (30 J.) und Gastbruder (26 J.)
Der Bruder ist ausgezogen, kommt aber jeden zweiten Tag vorbei und meine Gastschwester wohnt noch zu Hause. Ich sagte offiziell, denn dann gibt es noch die Freundin des Bruders, die drei Kinder (3, 7, und 10 J.) hat und die im Prinzip auch bei uns wohnen weil ihr „Haus“ kein richtiges Dach hat und die Bedingungen allgemein eher miserabel sind.
Mir ist aufgefallen, dass es um mich herum sehr viele von solchen „Wohngemeinschaften“ gibt. Bei Lars, lebt zum Beispiel die Cousine im Haus, weil es näher an der Universität ist oder bei Lisa ein sogenannter „Lolo“, dessen Familienzugehörigkeit zu Lisas Gastmutter ich jetzt leider vergessen habe, aber ihr Sohn ist es nicht!
Und ab und an komme ich nach Hause und es schläft ein Ein-Monate alter Säugling auf meinem Bett, und es wird spätabends irgendwann erst abgeholt.
Dass bei den Dominikanern die Haustüren quasi immer, im wahrsten Sinne des Wortes, offen stehen, sorgt auch dafür, dass Leute im fliegenden Wechsel kommen und gehen und man eigentlich nie alleine ist. Natürlich ist es von Familie zu Familie noch mal unterschiedlich stark aber im Grunde läuft es so ab.
Zu meinem Gastfamilienwechselerlebnis kann ich, nach jetzt mittlerweile knapp zwei Monaten sagen, dass ich froh bin den Schritt durchgezogen zu haben und ich mich in meiner neuen Familie sehr, sehr wohl fühle.
Einige Tage nachdem ich in meiner neuen Familie eingezogen bin, musste ich diese für 6 Tage auch schon wieder verlassen. Ich bin meinen Vater in Punta Cana, am quasi anderen Ende der Insel, besuchen gefahren. In einem exklusiven All-inklusive Resort konnte ich das ganze Hin und Her der letzten Wochen vergessen, entspannen und mir den Bauch mit Köstlichkeiten vollschlagen.
Dass ich jemals Kräuterquark oder Gauda als Köstlichkeiten bezeichnen würde, hätte ich vor dem Jahr auch nicht für möglich gehalten. Jedenfalls habe ich dort die Weihnachtstage verbracht und bin am 2. Weihnachtstag wieder zurück nach Salcedo gefahren.
Nach 7 Stunden Busfahrt ging es am nächsten Tag direkt weiter auf die Halbinsel Samana.
Wir Freiwilligen (das sind Lisa, Inga, Sebastian, Dori, Theresa, Lars und ich) hatten uns dort einen Urlaub mit drei Zwischenstationen organisiert und auf der letztens Station noch mehr Freiwillige getroffen und gemeinsam Silvester gefeiert. Insgesamt waren wir, ich meine, 6 Tage unterwegs und haben so einiges an Eindrücken mitgenommen aber auch 5 Paar Socken und 2 Paar Schuhe verloren. Es wurde beispielsweise auf Pferden durch, ja ich nenne es Dschungel, geritten, eine Höhle mit Fledermäusen besichtigt, steile Abhänge rauf- und runtergewandert um Traumstrande zu sehen, unter einem 40 Meterhohen Wasserfall durchgeschwommen und quasi Schlammlawinen runtergerutscht.
Dass Silvester in Las Terrenas mein spezielles Highlight war, muss an dieser Stelle noch einmal erwähnt werden und ich denke Inga und Lars sehen dies genauso.
Nach diesem Traumurlaub hatten wir noch zwei Tage in Salcedo in denen gewaschen und ausgeruht wurde, bis wir üblichen fünf Freiwilligen erneut aufbrachen.
Ein, durch die Oficina Tecnica organisierter Aufstieg, auf die in meinem Blog schon einmal erwähnten Reservas Salcedoa stand bevor.
Es gibt nicht viel, was ich in der DomRep bisher bereue, oder wo ich sagen würde, hätte ich das besser nicht gemacht, aber diese zwei Tage in dem Gebirge gehören definitiv dazu! Geplant war, dass wir zwei Nächte oben auf dem Gipfel quasi in einer für die, ich nenne es mal Förster, ausgelegte Hütte übernachteten und tagsüber Fauna und Flora erkunden. (Es bestand sogar die Möglichkeit noch eine weitere Nacht zu bleiben, wenn wir gewollt hätten).
Bei strömendem Regen wurde losmarschiert. Allerspätestens, nachdem wir einen Abschnitt im Gebirge überqueren mussten, der völlig geflutet war, (und dies war noch relativ am Anfang der 2 Stunden Wanderung) waren wirklich alle bis auf die Knochen nass.
Es regnete, es war ausgesprochen windig und ich muss mich jetzt einfach mal so ausdrücken, alle hatten keinen Bock mehr. Aber es wurde, wie auch anders, auf die Zähne gebissen und weitermarschiert. Dass sich die Gruppe nach ca. 45 Minuten aufgespaltet hatte und ich zu der hinteren Hälfte gehörte, ist, denke ich mal, nicht verwunderlich. Da unser Führer wahrscheinlich (zurrecht!) langsam die Hoffnung in unseren Augen schwinden sah, schickte er von oben einen Esel runter. Diese dienen den Menschen in der DomRep generell als Transportmittel und eben auch dort in dem unebenen Gebirge. So durfte ich einige Zeit auf dem Rücken eines Esels verweilen, bis sich eine gewisse Person lautstark anfing zu beschweren, dass sie auch mal reiten wolle, dann aber kleinlaut eingestehen musste, dass dies nicht zu ihren Fähigkeiten gehörte und der Esel kurz davor stand die Person abzuwerfen.
Irgendwann kamen wir dann auch endlich oben an und ich will es hier gar nicht weiter ausführen, in welchem ekelhaften und durchgefrorenen Zustand wir uns alle befanden und dann aber auf jeden fall eine Nacht dort verbringen mussten. Am nächsten Nachmittag wieder zu Hause, sah die Welt dann schon wieder um einiges besser aus.
Nach anderthalb Wochen, um genau zu sein am 16.01.12 brach ich dann endlich nach Mexico auf. Ich konnte meine geliebte Anne, die sich zu dieser Zeit dort aufhielt, besuchen kommen. Am 16.01.12 um 12:00 Uhr nachmittags von zu Hause aufgebrochen, konnte ich Anne am nächsten Tag gegen 13:00 Uhr nachmittags endlich in den Armen halten J Dann stand noch eine dreistündige Busfahrt von Tampico nach Mante bevor, die allerdings so schnell verging, da konstant von allem und jenem erzählt wurde. In Mante lebten wir gemeinsam bei einer Familie die Anne aus ihrem einjährigen Mexico-Aufenthalt vor 3 Jahren kannte und genossen es, dass wir uns wieder hatten. Die Familie war super und wir konnten alle Freiheiten genießen, solange das eben in Mexico zur Zeit möglich ist. Die Lage dort, allerdings eher im Norden des Landes, ist immer noch aufgrund der Mafia/Drogen/Gewalt- Konflikte kritisch und ich konnte leider nicht das Mante kennenlernen, welches Anne vor drei Jahren kennenlernen durfte. Dies war jedoch halb so schlimm, denn auch unter den Umständen, hatten Anne und ich eine unvergessliche Woche (allein der Aspekt, dass wir uns am anderen Ende der Welt wiedersahen, war überwältigend) und mit der lieben Pudeldame Regina noch umso mehr.
Ich hoffe ich konnte das Verpasste einigermaßen aufholen und werde, da ich jetzt endlich wieder Internet in meinem Zimmer habe, auch wieder regelmäßiger schreiben!
Allerliebste Grüße, bald ist ein halbes Jahr rum!